• Die Steinhalle im Landesmuseum Mainz

Der Mainzer Altertumsverein und die Steinhalle im Landesmuseum Mainz

[Bild: Quelle: MAV]

Der 1844 gegründete Mainzer Altertumsverein hat ab 1855 außer seiner eigenen Sammlung auch die städtische Sammlung archäologischer und kunsthistorischer Gegenstände betreut. Im Jahre 1910 übergab der Altertumsverein sämtliche Sammlungsbestände in das Eigentum der Stadt Mainz, die seit 1967 diese Sammlung dem vom Land Rheinland-Pfalz getragenen Landesmuseum Mainz als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Der Mainzer Altertumsverein präsentiert anlässlich der aktuellen Diskussionen um das künftige Geschick der Steinhalle (weiterlesen) und ihrer herausragenden Denkmäler auf seiner Website – in lockerer Folge – die wichtigsten Sammlungsbestände, die er zwischen 1844 und 1910 für das damalige Altertumsmuseum, das heutige Landesmuseum Mainz, erworben und somit für die Mainzer und internationale Öffentlichkeit gesichert hat.

Die große Mainzer Jupitersäule

[Bild: Fragmente der Jupitersäule in der Steinhalle GDKE_Landesmuseum Mainz (Ursula Rudischer)]

Die Große Mainzer Jupitersäule stellt mit ihrer monumentalen Größe und der hohen künstlerischen Qualität ihrer zahlreichen Götterdarstellungen ein in der römischen Welt einzigartiges Denkmal dar. Das Landesmuseum Mainz kann sich glücklich schätzen, diese – vom Mainzer Altertumsverein 1904/1905 für das damalige Altertumsmuseum, das heutige Landesmuseum, erworbene – Jupitersäule der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Die moderne Geschichte dieses außergewöhnlichen Denkmals begann Ende 1904, als dem damaligen Konservator des Mainzer Altertumsvereins und 2. Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Ludwig Lindenschmit d. J., zu Ohren kam, dass Reste einer Statue aus vergoldeter Bronze von einem Mainzer Altwarenhändler angekauft worden seien. Daraufhin suchte Lindenschmit sämtliche Baustellen im Stadtgebiet auf und wurde schließlich Anfang 1905 auf einem Grundstück des Zimmermeisters Gabriel Gerster in der Sömmeringstraße 6 fündig. Dort lag neben einer Baugrube der Aushub zu einem mächtigen Haufen aufgeschichtet: über 2.000 verzierte Bruchstücke aus Kalkstein.

Unter Leitung von Lindenschmit wurde diese Unmenge von Steinen in einer restauratorischen Meisterleistung zu einer etwa 9,20 m hohen Säule rekonstruiert: auf zwei viereckigen Sockeln ruhen fünf Säulentrommeln und ein Kapitell, zuoberst eine viereckige Statuenbasis. Von der überlebensgroßen Statue Jupiters aus vergoldeter Bronze sind nur wenige Reste, darunter der linke Fuß, erhalten. Der größte Teil der Statue wurde wohl schon in der Antike, als wertvolles Altmetall, wieder eingeschmolzen. Von einem einst sicher vorhandenen Unterbau der Säule aus zwei bis drei Stufen wurden keinerlei Reste gefunden, auch nicht von einem Fundament. Der ursprüngliche Aufstellungsort der Säule in der Römerzeit ist also nicht an der Fundstelle in der Sömmeringstraße, jedoch auf jeden Fall in der näheren Umgebung zu suchen.

Die Säule ist überaus reich mit den Reliefs von insgesamt 28 Gottheiten geschmückt, unter ihnen Hercules, Apollo, Minerva, Fortuna, Merkur, Victoria und Mars. Den prominenten Platz auf der Vorderseite des unteren Sockels nimmt ein Bildnis Jupiters ein. Er steht dort mit Zepter in der Linken und Blitzbündel in der Rechten, neben ihm, fast ganz zerstört, hockt der Adler auf einem Globus. Über Jupiter steht auf der Vorderseite des oberen Sockels die Weihinschrift der Säule. Aus ihr geht hervor, dass die Säule Jupiter, dem obersten Gott der römischen Staatsreligion, für das Heil Kaiser Neros, der von 54 bis 68 n. Chr. regierte, geweiht wurde. Da in der Inschrift auch Publius Sulpicius Scribonius Proculus, der kommandierende General des obergermanischen Heeresbezirks (die spätere Provinz Obergermanien), genannt wird, ist von einem ganz besonderen Anlass für die Weihung dieser äußerst aufwendigen Jupitersäule auszugehen. Hier kommt die Errettung Neros aus zwei Verschwörungen in Betracht, die er 59 bzw. 65 n. Chr. überlebt hat. Beide Male zog die Errettung des Kaisers überschwängliche Dankesbekundungen an die Götter und Loyalitätsbezeugungen für den Kaiser im gesamten Reich nach sich. In diesem Rahmen ist sicher auch die Große Jupitersäule in Mainz zu sehen. Nur wenige Jahre später wurde der Name des Kaisers in der Weihinschrift der Säule getilgt. Nero war beim nach wie vor mächtigen Senatorenstand in Misskredit geraten und wurde vom römischen Senat schließlich zum Staatsfeind erklärt. In auswegloser Lage nahm er sich 68 n. Chr. selbst das Leben.

Die herausragende Bedeutung der Großen Mainzer Jupitersäule hat dazu geführt, dass im Laufe der Zeit mehrere Nachbildungen angefertigt wurden. Bis vor wenigen Jahren stand eine dieser Nachbildungen, nur wenige Schritte vom Landesmuseum entfernt, auf dem Deutschhausplatz in Mainz. Der Zahn der Zeit hat mittlerweile eine Restaurierung erforderlich gemacht. Eine weitere Nachbildung der Säule befindet sich am römischen Saalburg-Kastell bei Bad Homburg vor der Höhe. Das Original im Landesmuseum Mainz wird zur Zeit umfassend untersucht und restauriert. Diese aufwendigen Arbeiten werden von der Ernst von Siemens Kunststiftung und vom Verein der Freunde des Landesmuseums Mainz finanziell unterstützt.

Die Stadt Mainz überreicht seit vielen Jahren eine Miniatur-Nachbildung der Großen Mainzer Jupitersäule, die einschließlich der Jupiterfigur mit Blattgoldauflage 49 cm hoch ist, als Ehrengabe an natürliche und juristische Personen, insbesondere aus dem Bereich des Wirtschaftslebens, für Verdienste um das Allgemeinwohl.

Autor: Dr. Michael Klein

Weiterführende Literaturhinweise:

Hans-Ulrich Instinsky, Kaiser Nero und die Mainzer Jupitersäule. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 6 (1959), S. 128–141.

Gerhard Bauchhenss, Die Große Iuppitersäule aus Mainz. Mainz 1984 (= Corpus Signorum Imperii Romani / Corpus der Skulpturen der Römischen Welt, Deutschland II,2, herausgegeben vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum und der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts).

Ellen Riemer, Die Große Mainzer Jupitersäule – Eine Zwischenbilanz des aktuellen Restaurierungsvorhabens. Mainzer Zeitschrift 112 (2017), S. 3–14.

Ellen Riemer, Die Große Mainzer Jupitersäule. Ein Riesenpuzzle für Ludwig Lindenschmit d. J. In: Eine Zeitreise in 175 Geschichten. Der Mainzer Altertumsverein 1844–2019, herausgegeben von Wolfgang Dobras (= Mainzer Zeitschrift 114, 2019), S. 152–153.

Constanze Berbüsse / Annette Frey, Im Schatten des Vaters: Ludwig Lindenschmit d. J. Ebenda, S. 142–143.