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Veranstaltungen Sommer/Herbst 2018

Gottes Wille und Menschenwerk – Mainz im Dreißigjährigen Krieg

Prof. em. Dr. Georg Schmidt (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Montag, 26. November 2018, 19.00 Uhr im MVB-Forum (nach der Jahresmitgliederversammlung)

Der Dreißigjährige Krieg wurde seit dem Erscheinen eines riesigen Kometen im Herbst 1618 als Gottes Wille und Strafgericht gedeutet. Diese Wahrnehmung entlastete Täter (und Opfer), weil Gott für den Krieg, die Gewalt und die Grausamkeiten verantwortlich zeichnete. Sie verlor sich erst nach vielen Jahren. Dann dämmerte es auch den Fundamentalisten, dass die Menschen Frieden schließen mussten, wenn sie sich nicht selbst vernichten und die Mitte Europas zur Wüste machen wollten. Der lange Krieg besiegte „die Reiter der Apokalypse“. Der Friede wurde Menschenwerk und die Aufklärung konnte beginnen. Aus protestantischer Sicht waren das Kurfürstentum und die Stadt Mainz nicht nur ein Teil der „Pfaffengasse“; sie gehörten zu den Festungen des römischen Antichristen. Die Schweden besetzten Mainz und steuerten von hier aus ihr „deutsches“ Reich. Schließlich aber war es der neue Erzbischof und Erzkanzler Johann Philipp von Schönborn, der entschieden für den friedlichen Ausgleich in Westfalen eintrat.

Marcel Lods in Mainz. Archäologie einer Stadtutopie der Nachkriegszeit

 Assoz. Prof. Ing. Volker Ziegler (Ecole nationale supérieure d’architecture de Strasbourg)

Montag, 10. Dezember 2018, 18.00 Uhr im MVB-Forum

1945 ist das 2000-jährige Mainz eine zerstörte Stadt, deren rechtsrheinische Gebiete mit den Industrie- und Hafenstandorten in der amerikanischen Zone liegen. Der französische Oberbefehlshaber Pierre Koenig residiert in Baden-Baden, doch geplant ist, an die napoleonischen Planungen anzuknüpfen und ein französisch geprägtes Mayence zur Hauptstadt eines rheinischen Vasallenstaates auszubauen. Für diese Aufgabe wird Anfang 1946 Marcel Lods berufen, der als Mitglied der CIAM-Gruppe ein Verfechter einer funktionalistischen Moderne ist und mit Le Corbusier zu Themen des Wiederaufbaus und zur Charta von Athen korrespondiert.

Kaum bekannt und bisher unveröffentlicht sind die minutiösen Vorarbeiten zu Lods' Planung. Sogleich nach seiner Beauftragung stürzt dieser sich in die Planungsarbeit und kann schon im Mai 1946 einen ersten Bericht mit Analysen und Vorschlägen zum Wiederaufbau von Mainz fertigstellen. Zugleich beginnt sein Planerteam mit gründlichen Untersuchungen im Planungsgebiet, denn viele Dokumente waren im Krieg verschwunden. Diese Arbeiten werden 1947 zu einem Album zusammengestellt und sollen, durch die Brille der Charta von Athen gelesen, als Grundlage für eine - nie erschienene - Publikation dienen. Im Vortrag wird anhand von Lods' Manuskriptalbum auf dessen Begegnung mit der Stadt Mainz, seine Arbeitsweise, Überlegungen und Überzeugungen eingegangen, um zu einem differenzierteren Bild seines als unrealisierbar begriffenen Stadtentwurfs zu gelangen.